Ich habe Tilburg nicht vergessen, es wird nur nachgeliefert (;
Guten Morgen,
Schlaf war mal wieder Mangelware, aber wenn man selbst schuld ist, sollte man sich schließlich nicht beschweren. Das Frühstück der Herberge ist vergleichsweise karg, aber immerhin original mit Zuckerstreuseln und Frühstückskuchen!

My Passion
Im niederländischen Mistwetter zurück an den Bahnhof, meine beiden Mitreisenden verschwinden in ihrem Zug, meiner fährt erst eine halbe Stunde später. Am Umstiegsbahnhof in Rotterdam ist das Wetter noch mieser als in Tilburg und weil dort gerade Großbaustelle herrscht, sind sämtliche Gleisangaben hinfällig und werden munter durch die Gegend jongliert. In dreißig Minuten Aufenthalt hat sich das Gleis drei Mal geändert. Beim dritten Mal schmiede ich bereits Mordpläne gegen die Niederländische Eisenbahn, aus irgendeinem Grund finde ich es nicht spaßig meine Taschen immer wieder von A nach B zu schleppen und dabei durchgeweicht zu werden, weil ein Großteil der Überdachungen fehlt. Und warum habe ich eigentlich das Gefühl, dass meine Tasche jeden Tag schwerer wird?

Mayfield haben mich fest im Griff
Aber irgendwann schaff ich es doch in den Zug. Und ich glaube, ich bin Fan von Thalys. Die Dinger sind echt komfortabel! Nur der heiße Kakao ist ein bisschen wässrig… Die Fahrt ist wenig aufregend, ich lese und hoffe, dass in Paris das Wetter besser ist. Umsonst gehofft. Es ist genauso regnerisch wie in Holland. Aber das ist mir lieber als die 40°C die herrschten als ich zum letzten Mal in dieser Stadt war. Am Bahnhof werden wir von Malou, einem französichen Fan, in Empfang genommen und sie zeigt uns den Weg zum Hotel. Und das war echt hilfreich, alleine hätte ich Landei mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verlaufen. Da merkt man mal, wie orientierungslos ich bin, wenn ich Google Maps nicht benutzen kann, verdammtes Roaming!
Aber wir kommen sicher am Ziel an, das Hotel ist klein, aber gut. Nach einer Erklärung, wie wir von dort zu Le Klub, der heutigen Venue kommen, gibt’s eine heiße Dusche. Nach dem Bad im Regen tut das richtig gut. Mit der Metro machen wir uns auf zur Rue-St-Denis, Le Klub ist zwar klein, steht aber direkt an der Kreuzung und ist daher kaum zu übersehen. Der Raum im Inneren muss allerdings Telefonzellengröße haben – hört man zumindest von allen, die bereits das Innere gesehen haben. Na das schein interessant zu werden, denn die Deckenhöhe überschreitet angeblich die zwei Meter auch nur geringfügig. Wildes Herumhüpfen dürfte für My Passion heute schwer möglich sein.

Ryan
Marika und Andy müssen ihre Merchstände auch einmal umräumen und allgemein scheint für nichts Platz zu sein. Daher müssen die Bands auch zusammen ein Schlagzeug benutzen, mehrere Drumkits sind auf der Bühne nicht drin. Für mich und einen Laptop ist beim besten Willen kein Platz, also hab ich frei. Wegen dem Mistwetter gönne ich mir reichlich Tee und Crêpes, ich hab für beides eine Schwäche. Viele der französischen Fans sind schon eine ganze Weile vor Showbeginn anwesend, hat mich sehr gefreut viele von ihnen endlich mal persönlich zu treffen
Gruppenfoto mit Daniel gibt es auch wieder und irgendwann um 20 Uhr gehen die Türen endlich auf. Das Ding ist echt nicht größer als eine Telefonzelle, die Preise an der Bar sind dafür astronomisch. 7€ für Red Bull…hallo?! Da vergeht der Durst urplötzlich. Wenden wir uns also lieber den Dingen zu, die ihr Geld wert sind.

Abschiedsfoto
Vor Mayfield tritt heute noch das französische Industrial-Duo „Under All“ auf und spielt schwarz angemalt ihr Set vor einem Publikum, bei dem die Herren offenbar recht gut ankommen. Die Lyrics, die teilweise auf Deutsch sind, rufen bei mir zugegebenermaßen aber doch ein bisschen Belustigung hervor…das ist allerdings immer der Fall, wenn nicht-deutschsprachige Bands deutsche Passagen in ihre Lieder einbauen. Mayfield haben mit der kleinen Bühne wenige Probleme, aber die haben schließlich nicht den Bewegungsdrang von My Passion, die in dieser Hinsicht heute doch etwas eingeschränkt sind. Was nicht heißt, dass sie es nicht doch versuchen. Julien-K spielen ihr gewohntes Set, heute muss Ryan bei Someday Soon ausnahmsweise dem Publikum den Rücken zudrehen, denn für sein Keyboard plus Stimmverzerrer war schlicht neben ihm kein Platz mehr. Das Gesamte hatte heute ein gewisses Punkrock-Ambiente.
Nach der Show versperrt der Bus die Rue-St-Denis, damit die Crew schnell das Equipment verstauen kann, denn aus der Venue wird man direkt nach der Show verscheucht. Parallel zum Abbau läuft der große Abschied, denn heute waren Mayfield und My Passion leider zum letzen Mal dabei. Die Augen des einen oder anderen sehen teilweise verdächtig feucht aus und zum Abschluss gibt es noch ein großes Gruppenfoto aller Bands und der Crew, dann müssen zumindest My Passion die Fahrt in die Heimat antreten. Mayfield bleiben noch zum Feiern.

Paris
Feiern gestaltet sich aber schwieriger als zuerst gedacht, denn zumindest in der Rue-St-Denis werden anscheinend um 2 Uhr morgens die Bürgersteige hochgeklappt und die Bars geschlossen. Aber es muss ja nicht immer eine Bar sein. Gute Feier, kurze Nacht im Hotel. Lee und Thomas bekommen gar keinen Schlaf, sondern müssen direkt zum Zug nach London. Ich bekomm immerhin noch eine Handvoll Sand vom Sandmännchen ab, denn ich verlasse Paris erst am Nachmittag, allerdings nicht Richtung London, sondern Richtung Heimat, denn meine Mutter feiert am Freitag ihren 50ten Geburtstag und meine Abwesenheit kommt nicht infrage. Nicht, wenn ich mein Leben schätze.
Der nächste Tag ist wenigstens einigermaßen sonnig, sodass ein wenig Sightseeing für mich drin ist, bevor ich die Heimreise antrete. Die Band bleibt noch bis Freitag in Paris, bevor es mit der Fähre nach London geht. Am Bahnhof gönne ich mir noch das teuerste Sandwich meines Lebens und ab geht’s. Mal wieder nicht ganz ohne Zwischenfall, denn lustigerweise ist die Strecke zwischen Saarbrücken und Trier teilweise gesperrt und drei verschiedene Busse und die insgesamt doppelte Fahrzeit finde ich nicht attraktiv. Mit meinen ganzen Taschen erst recht nicht. Aber hey, ich kann meine bessere Hälfte dazu überreden, mich im Saarland einzusammeln, also bin ich dem Höllenritt entkommen.
Bis London!
Laura
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